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Arbeitsgemeinschaft historischer Nahverkehr Düsseldorf e. V.

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21. Mai 2012 – Offizielles Einsatzende der „Gelben“

2656

Kurz vor 11:00 Uhr erfolgte am Südfriedhof der symbolische Fahrzeugwechsel von der „Gelben“ auf den „Silberpfeil“: Fahrer Carsten Suhr übergibt das Wagenbuch an seine Ablösung Fatma Mert, stellvertretend für die alte und neue Fahrzeuggeneration mit Schaltzeug und Wagenschlüssel.

Nach 56 Jahren endete heute der Linienbetrieb der „Gelben“ Düwag-Gelenktriebwagen bei der Rheinbahn. Schlusspunkt war der nochmalige Einsatz eines Achtachsers auf der Linie 704. Am Vormittag wurde der Wagen dann gegen einen modernen Niederflurwagen eingetauscht, womit der Generationswechsel symbolisch vollzogen wurde.

Gelenkwagen als Düsseldorfer Erfindung

Der Schienenfahrzeugbau hat die Entwicklung Düsseldorfs über Jahrzehnte geprägt und war lange ein Wirtschaftsmotor für die Stadt. Lokomotiven, Eisenbahnwaggons und Straßenbahnen fuhren von Düsseldorf aus in die Welt. Insbesondere die Fahrzeuge für den städtischen Nahverkehr, die die „Düsseldorfer Waggonfabrik“ (Düwag) an der Königsberger Straße baute, waren ein Inbegriff für Innovation und Qualität.

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Am 18. Mai 2012 fuhr der Tw 2656 zur Nachmittagsspitze nochmals einige Runden auf der Verstärkungslinie 719 durch Düsseldorf. Die Aufnahme entstand an der Endstelle am Polizeipräsidium.

Das bekannteste Fahrzeugmodell aus Düsseldorf war der „Düwag-Gelenkwagen“, dessen Konzeption und Konstruktion zusammen mit der Rheinbahn entwickelt wurde. 1956 erschien der Tw 2501 als erster Düwag-Sechsachser überhaupt auf Düsseldorfs Gleisen, ein Jahr später folgte – ebenfalls unter maßgeblicher Beteiligung der Rheinbahn – der Achtachser 2310. Die Fahrzeuge bewährten sich auf Anhieb und sie fanden im In- und Ausland größte Beachtung: Der „Düwag-Gelenkwagen“ fand internationale Verbreitung und ließ seinen Hersteller zum Weltmarktführer moderner Nahverkehrsfahrzeuge werden. Insgesamt wurden an der Königsberger Straße 1.366 klasssische Gelenk-Straßenbahnwagen produziert (zusammen mit Lizenzbauten in Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz waren es 1.900 Fahrzeuge)! Das Düsseldorfer Modell bestach durch seine Technik und wurde nicht zuletzt aufgrund seiner zeitlos-typischen Formgebung das Synonym für eine Straßenbahn. Übrigens gehen auch die ab den 1970er Jahren gefertigten Stadtbahntypen in wesentlichen Elementen auf die „Erfindung“ von 1956 zurück.

Düsseldorf ohne Düwag nicht denkbar

Die Rheinbahn wurde ab1956 einer der größten Abnehmer der Gelenkwagen. In unterschiedlichen Varianten fuhren nicht weniger 157 Triebwagen durch die Landeshauptstadt, hinzu kamen noch fünf Gelenkwagen-Umbauten. Die Düwagwagen waren damit allgegenwärtig in Düsseldorf und den Nachbarstädten, sie prägten über mehrere Jahrzehnte den Rheinbahnverkehr.

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Der Tw 2656 war zum Abschied an der Wagenfront geschmückt und passend beschriftet.

Bis zum Dezember 2011 standen die klassischen Düwag-Wagen bei der Rheinbahn noch regelmäßig im Linienbetrieb. Mit der fortschreitenden Auslieferung der Niederflurtriebwagen des Typs „NF8 U“ (Reihe 3301 – 3376) erreichten sie allerdings ihr Dienstende. Größtes Manko: Stufenlose Einstiege oder einen durchgehend niederflurigen Wagenboden konnten die „Gelben“ aufgrund ihrer Drehgestellbauart nicht bieten.

Die wenigsten ausgemusterten Düwagwagen gingen nach ihrer Rheinbahnzeit übrigens den Weg des alten Eisens: Fast alle Triebwagen fanden eine neue Heimat in Polen, Rumänien oder sogar im Iran. Die letzten bis 2011 noch regelmäßig eingesetzten Wagen 2656, 2663, 2965 und der Beiwagen 1700 bleiben in Düsseldorf erhalten für den Winterdienst und als historische Wagen.

Denkwürdiger Abschied

An den Abschluss der 56jährigen Ära der Düwag-Gelenkwagen in Düsseldorf hat die Rheinbahn mit zwei allerletzten Linieneinsätzen erinnert. Am vergangenen Freitag war der Tw 2656 in der Nachmittagsspitze für wenige Stunden noch einmal auf der Linie 719 zwischen Polizeipräsidium und Grafenberg im Dienst. Trotz der kurzen Einsatzdauer im Berufsverkehr wurden die Fahrten von Fans und Fahrgästen viel beachtet.

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Allerletzter Linieneinsatz am 21. Mai 2012: Ab Dienstbeginn um 6:03 Uhr fuhr der Tw 2656 zum Abschied noch einmal einen regulären Kurs auf der Linie 704, der in Richtung Derendorf Nord an der Bilker Kirche einsetzte. (Foto: as)

Heute verkehrte der geschmückte Triebwagen 2656 „zum Finale“ auf der Linie 704 zwischen Derendorf Nord und Neuss Stadthalle bzw. Südfriedhof. Mit einer entsprechenden Beschriftung am Bug und Girlandenschmuck machte der Wagen auf den besonderen Anlass aufmerksam. Erneut fiel das „alte Schätzchen“ den Fahrgästen auf, weckte Erinnerungen und als sie den Grund für den Einsatz der Bahn erkannten, kam vielfach Wehmut auf.

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Der Abschied von der „letzten Gelben“ war ein Medienereignis. Der Tw 2656 veranschaulichte nicht nur eine scheinbar ganz normale Straßenbahn, sondern einen wichtigen Bestandteil Düsseldorfer Industrie- und Stadtgeschichte.

Gegen 10:50 Uhr erfolgte bei der Ankunft in der Schleife Südfriedhof dann die „offizielle“ Übergabe an den modernen Niederflurwagen 3375. Der „Silberpfeil“ übernahm die weiteren Fahrten des „gelben Klassikers“, der für Presse und Fans noch einige Zeit stehen blieb. Das Interesse an der Bahn schien gar nicht abzubrechen: Interview nach Interview gab Fahrer Carsten Suhr den zahlreichen Film- und Zeitungsteams. Dennoch war der Abschied endgültig: Am Mittag rückte die „letzte offizielle Gelbe“ dann als Sonderzug in den Btf. Lierenfeld ein.

(Text, Fotos: ve)

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