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Arbeitsgemeinschaft historischer Nahverkehr Düsseldorf e. V.

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23. Dezember 2014 – Einsatz der Rheinbahn-Speisewagen endet

Bistro
Auf den ersten Blick ein normaler B-Wagen, beim genauen Hinsehen aber eine Einmaligkeit: Rheinbahn-Bistro 4104 (+ 4265) der Linie U76 auf dem Weg nach Krefeld. Die bewirtschafteten Wagen verkehrten jeweils in Fahrtrichtung der Seidenstadt an der Zugspitze. Zu Gunsten des Speiseabteils sind die Bistrowagen pro Wagenseite mit einer Doppelfalttür weniger ausgestattet (Belsenplatz, 23. Dezember 2014).

Zum letzten Mal sind heute auf der Stadtbahnlinie U76 zwischen Düsseldorf und Krefeld bewirtschaftete Stadtbahntriebwagen im Einsatz. Damit wird eine traditionsreiche und wohl weltweit einmalige Einrichtung zumindest vorläufig aufgegeben, nämlich ein regelmäßig verkehrender Speisewagen auf einer (städteverbindenden) Straßen- bzw. Stadtbahnlinie.

Speisewagen mit langer Tradition

Vor 90 Jahren hatte die Rheinbahn erstmals die Idee, einen Restaurationsbetrieb auf ihrer Fernlinie „A“ nach Krefeld einzuführen. Zunächst als Versuch gedacht, waren die Speisewagen schnell erfolgreich und wurden zum festen Angebot auf der Krefelder Strecke. Insgesamt vier ab 1924 angeschaffte Beiwagen wurden mit einem Küchenabteil geliefert (Bw 1069 – 1072), Getränke und kleine Speisen wurden „wie bei der großen Eisenbahn“ an Tischen serviert. Das renommierte Hotel „Breidenbacher Hof“ zeigte sich damals für die Bewirtschaftung verantwortlich.

Nach einer Unterbrechung im zweiten Weltkrieg wurde der Speisewagenbetrieb nach Krefeld 1948 wieder aufgenommen. 1953 erhielt die Krefelder Linie neue vierachsige Trieb- und Beiwagen und um die bewährte Tradition fortführen zu können, erhielten zwei der Beiwagen erneut ein Küchenabteil (Bw 1201 – 1202). 1962 verabschiedete sich der damalige Pächter jedoch wegen mangelnder Rentabilität und zusammen mit dem Umbau der Vierachser in achtachsige Gelenkwagen wurden auch die Speiseabteile in den Beiwagen ausgebaut. Der bewirtschaftete Verkehr nach Krefeld verschwand vorerst.

1949 begann auch auf der Fernlinie „D“ nach Duisburg ein Speisewageneinsatz. Die Duisburger Verkehrsgesellschaft setzte hier nach der Währungsreform 1949 ebenfalls Speisewagen ein, wofür zwei kriegsbeschädigte Beiwagen bei ihrem Wiederaufbau eine kleine Küche erhielten. 1960/61, 1975 und 1984/85 wurden von Rheinbahn und Duisburger Verkehrsgesellschaft im Rahmen von Fahrzeugbeschaffungen jeweils moderne Gelenktriebwagen mit Speiseabteil für diese Strecke angeschafft. In den 1990er Jahren wurden die Speisewagen nach Duisburg jedoch zum Sorgenkind. Technisch bedingte Zwangspausen und unregelmäßige Fahrplanlagen ließen die Umsätze sinken. Ein letzter Versuch mit bewirtschafteten Zügen endete auf der Linie U79 im Jahr 1998, die Küchenabteile der vier Duisburger Speisewagen wurden danach ausgebaut.

25 Jahre Rheinbahn-Bistro

Zu diesem Zeitpunkt waren bewirtschaftete Wagen auf der Krefelder Linie schon längst wieder eine feste Einrichtung. Bereits zum 1. April 1989 hatte die Rheinbahn hier den Speisewagenbetrieb wieder eingeführt, nun unter der Bezeichnung „Rheinbahn-Bistro“. Vier Stadtbahnwagen B80 mit Küche und in einem Wagenteil mit Tischen an den Sitzplätzen (Wagen 4101 – 4104) waren 1988 hierfür angeschafft worden. Und abermals wurde das Serviceangebot zum Erfolg: Zahlreiche Stammgäste nutzten auf dem Weg zur Arbeit die Bistros für ein Frühstück, genossen kalte und warme Getränke, kleine Mahlzeiten oder auch einmal ein Bier. Die bewirtschafteten Wagen verkehrten montags bis freitags tagsüber alle 40 Minuten, die Fahrzeiten waren veröffentlicht und so fand sich ein überwiegend fester Kundenkreis, der das Angebot gerne nutzte.

Bistro
Am 23. Dezember 2014 sind die Tische in den Bistrowagen zum (vorerst?) letzten Mal gedeckt. Hinter dem Küchenabteil auf der rechten Seite schließt sich bis zum Gelenk ein Vorratsschrank an. Im Gelenkdurchgang ist als weitere Besonderheit eine Schiebetür zu erkennen, die den Bistrobereich vom „normalen“ Wagenteil abtrennt. Die Tischplätze waren vorrangig für Fahrgäste gedacht, die etwas verzehren wollten, insbesondere im Düsseldorfer Stadtgebiet füllte sich der Bistrobereich aber natürlich auch mit anderen Fahrgästen.
Ein Blick in die kleine Küche: Viel Platz steht naturgemäß nicht zur Verfügung, aber Kaffeemaschine, Heißwassergerät, Spüle und zahlreiche Staufächer dürfen natürlich nicht fehlen. Auf der gegenüberliegenden Seite (hier nicht zu sehen) ist u.a. ein Kühlschrank eingebaut.
Bistro

Wegen Umbau des Krefelder Ostwalls endet die Linie U76 seit Mai 2014 allerdings für rund ein Jahr bereits in Krefeld-Dießem, so dass die Krefelder Innenstadt vorübergehend nicht von den Rheinbahn-Stadtbahnen erreicht werden kann. Viele Fahrgäste der „K-Bahn“ orientierten sich auf andere Verbindungen um und damit ging leider auch die Nutzung der Bistros merklich zurück. Ein Betrieb der Speisewagen war für die Pächterin deshalb nicht mehr kostendeckend und auch die „große Politik“ wird als Hintergrund genannt (Mindestlohn). Der Pachtvertrag läuft aus und so sind heute zum letzten Mal bewirtschaftete Bahnen im Einsatz auf der Linie U76.

Bistro
Von außen sind die Bistroabteile durch Schriftzüge kenntlich gemacht, über den nächstliegenden Türen weisen zudem Piktogramme und weitere Hinweise „Rheinbahn-Bistro“ auf den besonderen Service hin. Hinter den zur Hälfte abgeklebten Scheiben befindet sich die Bistroküche.
Von den vier vorhandenen Bistrowagen 4101 – 4104 wurden jeweils drei auf der Krefelder Strecke benötigt, der vierte diente als Reserve. In der letzten Zeit war der Tw 4102 schon häufiger (unbewirtschaftet) auf anderen Rheinbahnstrecken zu beobachten. Die Aufnahme vom 14. November 2014 zeigt den Zug 4270 + 4102 am S-Bf. Benrath auf der Linie U74.
Bistro

Die Rheinbahn bemüht sich um einen Nachfolger für ihre Bistros und hat auch schon erste Gespräche geführt. Es bleibt zu hoffen, dass der traditionsreiche Speisewagenbetrieb auf der Linie nach Krefeld bald wieder aufgenommen werden kann und der heutige Abschied nur von vorübergehender Dauer ist. Das würden sich die Stammgäste ebenfalls wünschen, von denen einige heute noch eine Abschiedsfahrt in „ihrem“ Bistro unternommen haben. Übrigens haben auch die Rheinbahnfahrer die Bistrowagen geschätzt, gab es doch stets frischen Kaffee „an Bord“.

Unabhängig vom Bistro-Abschied wünscht die „Linie D“ allen Mitgliedern, Unterstützern und Lesern frohe und besinnliche Weihnachtstage, einen guten Übergang in das neue Jahr und für 2015 Gesundheit, Glück und weiterhin viel Freude beim gemeinsam Hobby.

(ve)

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